Evangelische Trägergruppe für gesellschaftspolitische Jugendbildung
9. Dezember 2025 | Evangelische Trägergruppe für gesellschaftspolitische Jugendbildung

Wie KI und soziale Medien politische Diskurse prägen

Eindrücke von der DVPB-Herbsttagung in Landau


Wie verändern Künstliche Intelligenz und soziale Medien politische Diskurse, Willensbildung und Entscheidungsprozesse? Welche neuen Formen der Partizipation entstehen – und wo liegen Risiken in Bezug auf Desinformation und Radikalisierung? Und schließlich: Welche Konsequenzen ergeben sich daraus für Settings, Formen, Ziele und Methoden politischer Bildung? Diese Leitfragen standen im Mittelpunkt der DVPB-Herbsttagung in Landau (Rheinland-Pfalz). Die Deutsche Vereinigung für politische Bildung e. V. lädt jährlich Politikdidaktiker*innen, Lehrkräfte sowie Akteure der nonformalen politischen Bildung zu Austausch und Fortbildung ein. Die diesjährige Tagung widmete sich unter dem Motto „Social Media und KI. Herausforderungen und Chancen für die politische Bildung“ den tiefgreifenden Veränderungen, die digitale Technologien für demokratische Gesellschaften mit sich bringen.

Drei Tage lang diskutierten Praktiker*innen und Wissenschaftler*innen über den Einfluss von KI auf zentrale Bereiche des gesellschaftlichen und politischen Lebens. Immer wieder rückte dabei die Frage in den Vordergrund, ob KI und Social Media eine Gefahr für die Demokratie darstellen und wie mögliche Risiken begrenzt werden können. Trotz verbreiteter Sorgen zeigten mehrere wissenschaftliche Beiträge, dass der tatsächliche Einfluss sozialer Medien auf Wahlen und politische Entscheidungsprozesse geringer ausfällt, als es viele vermuten. Deutlich wurde auch: Die eigene Informiertheit wirkt wie ein Schutzfaktor. Je mehr Hintergrundwissen Menschen haben, desto weniger anfällig sind sie für manipulative Inhalte.

Der Politikwissenschaftler Thorsten Thiel plädierte in seinem Beitrag dafür, die Debatte über Digitalisierung nicht vorschnell in „Risiken“ und „Chancen“ aufzuteilen. Eine solche Lesart schiebe die Verantwortung häufig zu stark auf das Individuum und verknüpfe Lösungen mit dem Ruf nach „mehr Medienkompetenz“. Dies könne jedoch zu Frustration führen. Stattdessen regte Thiel an, Digitalisierung stärker als kollektive Gestaltungsaufgabe zu verstehen.

In den thematisch breit gefächerten Workshops diskutierten die Teilnehmenden unter anderem, vor welchen Herausforderungen politische Bildner*innen stehen, wenn sie selbst wenig Erfahrung mit den Plattformen haben, auf denen sich ihre Zielgruppen bewegen. Besonders hilfreich war dabei der Impuls, junge Menschen nicht nur als Lernende, sondern auch als Ressource wahrzunehmen. Selbst wenn Lehrkräfte bestimmte Plattformen nicht nutzen, können sie über ihre Schüler*innen wertvolle Einblicke in deren Lebenswelt gewinnen.

Ein weiterer Workshop bot die Möglichkeit, das von der Evangelischen Trägergruppe entwickelte Serious Game „Mission Ganymed und das Mysterium der verschwundenen Bäume“ auszuprobieren und Elemente des begleitenden Workshops zu testen. Die sehr versierten Teilnehmenden aus Schule und Wissenschaft stellten pointierte Nachfragen etwa nach Freiheitsgraden oder der Rolle einzelner Akteure im Spiel.  Zugleich war Mission Ganymed im Workshop ein Beispiel, um über Vor- und Nachteile von Serious Games als Bildungsmedien ins Gespräch zu kommen. Aus mehreren Themen wählten die Teilnehmenden die Schwerpunkte „Emotionen“, „Freiheiten“ und „Lernziele“. Nach kurzen Einstiegen in diese Themen erweiterten die Teilnehmenden diese gemeinsam – immer mit dem Blick auf Serious Games als Methode und „Mission Ganymed“ als Folie und Beispiel. So gelang ein Austausch, der sowohl methodische als auch inhaltliche Aspekte in den Blick nahm, der die Metaebene thematisierte, ohne den Kontakt zum Konkreten zu verlieren. Das Material „Mission Ganymed“ fand bei den Teilnehmenden großen Anklang und wurde als hilfreiche, wertschätzende Methode für den pädagogischen Umgang mit Verschwörungserzählungen wahrgenommen.

Kontakt: Dr. Anne Jordan