Evangelische Trägergruppe für gesellschaftspolitische Jugendbildung
1. Februar 2019 | 19. November 2018, Netzwerkprojekt „Alles Glaubenssache?“ in Bayern

Stimmt etwas nicht? Überhaupt nicht!...oder alles doch nur Theater?

321 EXIT – Theater als Input für die Diskussion mit Jugendlichen


Was braucht es, damit Jugendliche über ihren Glauben sprechen können? Im „unsichtbaren Theater“ setzen sich 47 Jugendliche mit Radikalisierung und Religion auseinander.

Sie gehen in die 8. oder 9. Klasse der Münster Mittelschule im bayrischen Hof. Statt Unterricht steht an diesem Montagmorgen des 19. November „321 EXIT – Workshop über Antidiskriminierung“ auf dem Stundenplan. Der „Workshop-Leiter und seine Hospitantin“, zwei Schauspieler, begrüßen die Schüler*innen. Der Workshop-Leiter beginnt mit dem Seminarprogramm, macht Einstiegsübungen, fragt die Jugendlichen nach Ihren Erfahrungen mit Ausgrenzung und Dazugehören, stellt die Frage: „Was ist deutsch?“, nähert sich langsam dem Thema „Religiöse Radikalisierung“.

Als er die Jugendlichen nach definierten Merkmalen für eine Übung in zwei Gruppen einteilt, springt die „Hospitantin“ auf und schreit, dass alle keine Ahnung von dem hätten was gerade abläuft. Die Jugendlichen sind von der Situation sichtlich ergriffen. Emotional erzählt sie nun, noch immer in der Rolle der „Hospitantin“, wie es war und was sie gefühlt hat, als die Polizei bei ihr zu Hause in den frühen Morgenstunden in die Wohnung eindrang, um ihre jüngere Schwester, die zuerst zum Islam konvertiert ist und sich dann dem Salafismus zugewandt hat, zu verhaften und dabei den Rest der Familie auch gleich mitzunehmen. Sie erzählt, in der Folge die Details der Radikalisierung ihrer Schwester, wie sie sich im Laufe der Zeit verändert hat, und auch, dass die Familie das gar nicht richtig bemerkt hat.

Es herrscht totale Ruhe im Raum. Die Jugendlichen verfolgen gespannt das Geschehen. Als die Szene aufgelöst wird, diskutierten sie achtsam und verantwortungsbewusst die Themen Diskriminierung und Extremismus: „Die Eltern hätten mehr Nachfragen müssen, besonders als sie konvertiert ist. Sie hätten das Internet besser kontrollieren müssen. Sie hätte mehr auf die 14-Jährige aufpassen müssen.“ „Sie hat ihren Glauben völlig falsch interpretiert. Sie hätte sich nicht mit einem 23-Jährigen einlassen dürfen.“

Diese Beträge brachten die Jugendlichen in die Diskussion ein. Die Aufmerksamkeit, die bei den Jugendlichen mit dem Input für das Thema „religiöser Extremismus“ geweckt wurde, motivierte alle Durchführenden dazu weiter zu Fragestellungen wie: „Was ist Glaube?“ „Was ist Religion“ „Wo sind die Grenzen?“ mit den Jugendlichen in Hof, auch an der Schule weiter zu arbeiten. Die passenden Formate dazu sollen 2019 entwickelt und umgesetzt werden.
Kontakt: Nicole Bartsch