Evangelische Trägergruppe für gesellschaftspolitische Jugendbildung
29. Juni 2026 | Evangelische Trägergruppe für gesellschaftspolitische Jugendbildung

Resilient für die Demokratie?

Gedanken aus der et-Workshopwoche


Demokratie lebt davon, dass Menschen sich einbringen, Verantwortung übernehmen und gesellschaftliche Entwicklungen mitgestalten. Doch was bedeutet das in Zeiten, in denen demokratische Institutionen und zivilgesellschaftliche Akteure zunehmend unter Druck geraten? Anfeindungen, Delegitimierungsversuche und finanzielle Unsicherheiten stellen auch die politische Jugendbildung vor Herausforderungen. Wie kann sie unter diesen Bedingungen handlungsfähig bleiben? Und welche Rolle spielt dabei der Begriff der Resilienz? Mit diesen Fragen im Gepäck traf sich das et-Netzwerk im Kloster St. Afra in Meißen zur jährlichen Workshopwoche.

Demokratie braucht starke Netzwerke

Eine zentrale Erkenntnis der Woche war, dass Resilienz nicht allein als individuelle Eigenschaft verstanden werden sollte. Im Austausch mit Bernd Oehler (Buntes Meißen e. V.), Dr. Petra Schickert (Kulturbüro Sachsen/BAG Kirche und Rechtsextremismus), Jonathan Oelmann (Landesjugendkonvent Sachsen) sowie Burkart Pilz (Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens) zeigte sich, dass Handlungsfähigkeit vor allem dort entsteht, wo Menschen und Organisationen gemeinsam Verantwortung übernehmen. Bündnisse und Netzwerke bilden dafür eine zentrale Grundlage. Sie ermöglichen den Austausch von Wissen und Ressourcen und schaffen Räume, in denen sich Akteure gegenseitig stärken können. Diese Kraft speist sich auch aus dem Blick auf Erfolge: Was gelingt, sollte gefeiert werden. Wo Menschen sich als wirksam erleben, engagieren sie sich. Ebenso wichtig sind Räume, in denen Kinder und Jugendliche sich früh mit politischen Themen auseinandersetzen können.

Resilienz – der richtige Begriff?

Dass der Begriff „Resilienz“ nicht unumstritten ist, zeigte die Diskussion mit Prof. Dr. Alexander Wohnig. Er hinterfragte zunächst den Mehrwert des Begriffes für die politische Bildung. In jedem Fall dürfe Resilienz in der politischen Bildung nicht als bloße Anpassungsfähigkeit verstanden werden. Wer lediglich lernt, sich schwierigen Bedingungen anzupassen, verändert diese noch nicht. Stattdessen lässt sich Resilienz im Spannungsfeld zwischen Anpassung und Widerstand verorten. So richtet der Begriff den Blick weniger auf das Aushalten von Krisen als auf die Frage, wie Menschen und Organisationen auch unter schwierigen Bedingungen demokratisch handlungsfähig bleiben können.

Demokratie muss erfahrbar werden

Handlungsfähigkeit entsteht jedoch nicht allein in der theoretischen Auseinandersetzung. Sie muss erlebt und erprobt werden. Im Zirkeltraining von JoDDiD sowie durch Methoden aus dem Netzwerk konnten wir unterschiedliche Ansätze kennenlernen und ausprobieren. Dabei zeigte sich erneut die Kreativität und thematische Vielfalt unseres Netzwerks. Die vorgestellten Formate reichten von Lego als Methode in der politischen Bildung über Zukunftsbildung und die Dinokratietour als niedrigschwelliges Format zu Grundrechten bis hin zur Arbeit mit Fallbeispielen zum Umgang mit antidemokratischen Äußerungen. Sie verdeutlichten, wie unterschiedlich politische Bildung demokratische Handlungsfähigkeit stärken kann.

Die Workshopwoche bot Raum, um gemeinsam über Transfer und Reichweite nachzudenken: Wie können wir unser Wirken noch sichtbarer machen und weitere Zielgruppen erreichen? Welche inhaltlichen Schwerpunkte nehmen wir mit in die nächsten Monate? Im Netzwerk werden unter anderem die Themen KI sowie die Auseinandersetzung mit Wehrdienst und Friedensethik weiterbearbeitet, also Fragen, die junge Menschen bewegen und die politische Jugendbildung herausfordern.

Das Netzwerk der et verließ die Tagung gestärkt durch Austausch und die gemeinsame Arbeit und mit dem Bewusstsein, dass Resilienz auch im Miteinander entsteht.

Kontakt: Anne Jordan und Jakob Rosenow