Evangelische Trägergruppe für gesellschaftspolitische Jugendbildung
23. Juli 2026 | Evangelische Trägergruppe für gesellschaftspolitische Jugendbildung

Hinter den Kulissen von Game-based Learning

Auftakt der Veranstaltungsreihe Ready2Share


Wie entstehen eigentlich gute Methoden für die politische Bildung? Und wie cool wäre es, wenn ein Format gäbe, um neue Materialien auszuprobieren und mit den Macher*innen ins Gespräch zu kommen? Wir haben mit „Ready2Share“ ein neues Online-Format gestartet, das kompakt, praxisnah und offen für alle ist, die spielerische Ansätze in der politischen Bildung einsetzen oder neu kennenlernen möchten.

Seit vielen Jahren entwickeln wir als Evangelische Trägergruppe in der Reihe #etpraxistools Methoden des Game-based Learning und veröffentlichen sie mit pädagogischen Begleitmaterialien als Open Educational Resources (OER). Immer wieder erleben wir, dass Multiplikator*innen unsere Materialien an ihre Zielgruppen anpassen, einzelne Elemente weiterentwickeln oder neue Einsatzmöglichkeiten entdecken. Der Austausch über die Methoden und ihre Anwendung in der Praxis ist dabei besonders wertvoll. Ready2Share bietet genau dafür einen Raum.

In den einstündigen Terminen lernen die Teilnehmenden je eine Methode kennen und können sie direkt ausprobieren. Die Bildner*innen erhalten spannende Einblicke in die Spieleentwicklung, während Spieleentwickler*innen eine Rückmeldung aus der Praxis bekommen, wie Materialien in unterschiedlichen Bildungskontexten eingesetzt werden.

Spielerische Ansätze gemeinsam weiterdenken

Den Auftakt der Reihe machte das neueste #etpraxistool „Unbox it!“. Während aktuell intensiv über Social-Media-Verbote für Jugendliche diskutiert wird, dreht die Methode die Perspektive bewusst um: Jugendliche werden zu Expert*innen und unterstützen im Spiel ihre Großeltern dabei, sich sicher in der digitalen Welt zu bewegen. Die sieben Module greifen unterschiedliche Aspekte digitaler Lebenswelten auf – von der Glaubwürdigkeit von Informationen und Geschäftsmodellen sozialer Plattformen über digitale Gewalt bis hin zu Schönheitsidealen, dem Recht am Bild und dem Umgang mit der eigenen Bildschirmzeit. Die Comicfiguren Oma Anna und Opa Viktor bilden den Ausgangspunkt für Workshops, die Wissen vermitteln und zur Auseinandersetzung mit gesellschaftspolitischen Fragen anregen.

Mit Claudia Carla von der Evangelischen Akademie der Nordkirche konnten die Teilnehmenden nicht nur einen Blick hinter die Kulissen der Entwicklung werfen. Im gemeinsamen Austausch entstanden gleich mehrere neue Ideen, wie die Module für unterschiedliche Zielgruppen und Bildungskontexte eingesetzt werden können. Gerade diese vielfältigen Einsatzmöglichkeiten zeigen, welches Potenzial offen zugängliche Materialien entfalten können. Teilnehmerin Yvonne Becher von der Servicestelle Kinder- und Jugendschutz in Magdeburg unterstrich, wie wichtig es ist, Lernprozesse so zu gestalten, dass die Teilnehmenden einbezogen werden:

„Sowohl junge Menschen als auch Erwachsene zeigen mehr Verständnis für ein Thema, wenn sie sich aktiv damit auseinandergesetzt haben, Themen sozusagen ‚gefühlt‘ haben. In dem Moment, wo die jungen Menschen selber zu Experten werden, gibt man ihnen die Möglichkeit der Mitbestimmung.“

Während „Unbox it!“ den digitalen Alltag junger Menschen in den Mittelpunkt stellt, widmete sich die Methode des zweiten Ready2Share-Termins einem anderen wichtigen Thema politischer Bildung: der Auseinandersetzung mit Rassimus, Antisemitismus und rechter Gewalt. Tabea Böker von der Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus (KIgA e. V.) stellte das Escape-Room-Brettspiel „Rätselräume“ vor. Nach einer kurzen Einführung in die Themenfelder des Spiels wurden einzelne Rätselstränge in Kleingruppen getestet. Anschließend kamen die Teilnehmenden unter anderem darüber ins Gespräch, wie Methoden der politischen Bildung komplexe gesellschaftspolitische Themen besprechbar machen. Für Marlene Blanke vom Kinderring Berlin liegt genau darin eine besondere Stärke spielerischer Ansätze:

„Spielerische Methoden können schwierige Themen leichter zugänglich machen und Empathie fördern, da die Kinder und Jugendlichen in unterschiedliche Rollen schlüpfen und über das Interesse am Spiel ganz nebenbei lernen.“

Auch Maren Preisinger, Respekt Coach beim CJD Biberach, betonte den niedrigschwelligen Zugang, den Game-based Learning ermöglicht. Gerade weil sie an die Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen anknüpfen, können solche Ansätze helfen, Interesse auch für schwierige Themen zu wecken:

„Kinder und Jugendliche nehmen spielerische Methoden schnell an, weil es für sie eine willkommene Abwechslung im Schullalltag bietet und auf das zurückgreift, was sie auch gerne in ihrer Freizeit machen. Somit bietet es einen guten niedrigschwelligen Zugang zu Themen, für die Kinder und Jugendliche ansonsten nicht so schnell zu gewinnen sind.“

Die nächsten Termine

Nach einer kleinen Sommerpause freuen wir uns schon auf die Fortsetzung der Reihe. Wer neugierig geworden ist und einen Einblick in neue Methoden der politischen Bildung gewinnen oder eigene Erfahrungen einbringen möchte, ist herzlich eingeladen teilzunehmen. Im September spielen und diskutieren wir das #etpraxistool „Mission Ganymed“. Im Oktober haben wir Lucas Haasis zu Gast, der die Methode „Erinnern. Die Kinder vom Bullenhuser Damm“ vorstellen wird. Hier geht es zu den nächsten Terminen.