Evangelische Trägergruppe für gesellschaftspolitische Jugendbildung
16. April 2019 | Ev. Akademie Thüringen

Raus aus der eigenen Filterblase

Bubble Crasher – Ein Bericht aus Teilnehmer-Perspektive


Wie sieht eigentlich die Welt außerhalb meiner Komfortzone aus? – Junge Erwachsene stellen sich dieser Frage.

Das Projekt „Bubble Crasher“

Im Projekt „Bubble Crasher“ der Evangelischen Akademien Sachsen-Anhalt, Sachsen und Thüringen werden junge Menschen darin bestärkt, ihre Komfortzone oder Filterblase zu verlassen und mit Menschen ins Gespräch zu kommen, die ganz anders denken als sie selbst. Als kleiner Beitrag gegen gesellschaftliche Spaltung und für Reden mit statt über einander steht dieses Projekt. Beim Auftakt-Workshop im Februar in Wittenberg lernten 12 junge Erwachsene in Kommunikations- und Haltungstraining, wie ein Gespräch gelingen kann, auch wenn das Gegenüber eine völlig andere Lebenswirklichkeit hat. Julia (23) aus Thüringen berichtet im Anschluss an den Workshop, warum sie an dem Projekt teilnimmt:

Gleich und gleich gesellt sich gern

„Allein der Titel klingt schon fast Angst einflößend. Und irgendwie war es das auch. Ich habe mich vorher noch nie so kleinschrittig damit auseinandergesetzt, wie mein Umfeld meine Meinungsbildung und in gewisser Weise auch mein Weltbild mitformt.

Im Verlauf des Wochenendes habe ich festgestellt, dass meine engsten Kreise – also meine Filterblasen – sich gar nicht so stark unterscheiden, wie ich zunächst angenommen habe. Abgesehen davon, dass die Themen, die an der Oberfläche wichtig sind, andere sind, ist die politische Grundhaltung in allen Gruppen, in denen ich mich häufiger bewege, die gleiche. Klar, Nuancen sind unterschiedlich, aber ich bin es nicht gewöhnt, mein Verständnis von der Welt durch alltägliche Gespräche erschüttern zu lassen. Ich glaube aber, dass genau das passieren wird, wenn das Bubble Crasher-Programm erfolgreich ist.

Draussen ist es kalt und ungemütlich

Warum versuche ich überhaupt, meine eigene Blase zu verlassen? Schließlich fühle ich mich ja sehr wohl darin. Problematisch wird das Ganze für mich, wenn ich merke, dass ich nicht mehr sicher bin, ob mein Verständnis von bestimmten Dingen als allgemeingültig angesehen werden kann, oder es sich im Endeffekt ‚nur‘ um meine Meinung handelt, von der ich allerdings nicht weiß, dass andere Menschen diese nicht zwingend teilen. Treten solche Situationen in meinem Alltag auf, erzeugen sie ein ungutes Gefühl. Mein erster Impuls ist dann meistens, die Gespräche zu verlassen, weil ich keinen Sinn darin sehe.

Why crash the bubble?

Warum brauche bzw. will ich diese Verunsicherung? Ich glaube, um nicht zu vergessen, dass es nicht nur mich, meine Filterblasen und meine Meinung gibt, dass andere Herangehensweisen genauso zu Ergebnissen führen können, und ich mich nicht über andere stellen sollte, nur weil sie eine andere Meinung zu einem bestimmten Thema haben. Der Sinn von Bubble Crasher soll sein, zu lernen, genau diese Spannungen auszuhalten, um ein besseres Verständnis für unterschiedliche Positionen zu erlangen, die eigene Filter Bubble zu reflektieren und so ein Stück weit unsere Gesellschaft besser zu verstehen.

Bubble Crasher ist also weniger Arbeit an Anderen, sondern Arbeit an mir selbst. Ich setze mich bewusst mit Personen auseinander, die aus meinem gewohnten Schema herausfallen, um mir klar zu machen, dass es eben nur das ist, ein Schema. Ich glaube, dass ich, wenn ich die Meinungsbildungsprozesse Anderer besser verstehe, auch meine eigenen besser sortieren, und im Laufe des Prozesses vielleicht auch weiter bestärken kann, weil ich genauer sagen kann, wie meine Meinung im Vergleich zu anderen entstanden ist.“

Im Projekt werden mehrere Gesprächstermine über das Jahr verteilt organisiert. Im September findet dann ein Abschlusswochenende in Neudietendorf bei Erfurt statt.

Kontakt: Annika Schreiter

Link zu weiteren Informationen: http://bubblecrasher.de/