10. November 2025 | Evangelische Akademie Frankfurt
Mit der Gabel gegen Gleichgültigkeit
Erfolgreicher Jahrgang von „Team.Bilden"
Gerade sieht man es überall: Junge Menschen verabreden sich über Social Media, um in der Öffentlichkeit gemeinsam Pudding mit einer Gabel zu essen. Was erst mal absurd klingt, zeigt den Wunsch nach einer verbindenden Freizeitaktivität, die preisgünstig und für alle zugänglich ist. Sinnbildlich steht der Trend für eine Jugend, die Lust hat, Dinge anders zu tun. Warum also nicht auch in der Bildung „outside the box“ denken?
Das haben zwanzig junge Menschen in den vergangenen zwei Monaten an der Evangelischen Akademie Frankfurt getan. Es war wieder Zeit für „Team.Bilden“ – ein Qualifizierungsangebot für die politische Jugendbildung. In drei mehrtägigen Modulen wurden die Teilnehmenden dafür ausgebildet, eigenständig Bildungsangebote der gesellschaftspolitischen Jugendbildung durchzuführen. Inhaltliche Schwerpunkte waren in diesem Jahr „Rassismus und Antisemitismus“ sowie „Demokratiefeindlichkeit im Netz“.
„Die Ausbildung war eine Kraftquelle für mich. Mein Blick auf viele Dinge hat sich verändert. Diese Erfahrung möchte ich jetzt als Teamerin an junge Teilnehmende weitergeben.“ resümierte eine Teilnehmerin nach dem letzten Modul. Der Jahrgang reflektierte Fragen des gesellschaftlichen Zusammenlebens und wurde dabei persönlich herausgefordert, eigene Haltungen zu hinterfragen und in die Diskussion miteinander zu gehen. Während die Teilnehmenden sich auf dieser Ebene persönlich und als Gruppe weiterentwickelten, erbrachten sie gleichzeitig die Transferleistung, sich selbst auf die zukünftige Rolle als politische Bildner*innen vorzubereiten. Es ging um pädagogische Grundhaltungen, Ziele der politischen Bildung, Moderationstechniken, Methodenkritik, Konzepterstellung und vieles mehr. „Ich bin persönlich gewachsen und habe mir gleichzeitig eine berufliche Perspektive erarbeitet“, fasste ein Teilnehmer die Herausforderung zusammen, auf beiden Ebenen jederzeit gleichermaßen präsent zu sein.
Die Länge der Ausbildung und insbesondere eine gemeinsam verbrachte Woche in Höchst im Odenwald, ermöglichte ein intensives Zusammenwachsen. Es entstand ein Vertrauen untereinander, das auch das Reden über kontroverse Themen aushielt. Im Schwerpunkt Antisemitismus und Rassismus erlebte die Gruppe tiefe Emotionalität aufgrund eigener Betroffenheiten und eine Offenheit, diese miteinander zu teilen. „Ich habe mich hier sicher gefühlt“, wurde den Bildner*innen am Ende des Schwerpunktmoduls gefeedbackt. Eine Teilnehmerin bedankte sich dafür, dass sie den Tod ihrer Freunde aus Gaza betrauern konnte, ohne dafür verurteilt zu werden. Das habe sie zum ersten Mal in Deutschland erlebt. Sie zeigte sich mit den Worten „ich muss doch auch die andere Seite kennen, alle leiden darunter“ bis an die Grenzen ihrer eigenen Belastbarkeit offen, Antisemitismus zu verstehen und mit ihren eigenen Rassismuserfahrungen zusammen zu denken.
Der Abschluss des Moduls war von tiefer Dankbarkeit für diese Möglichkeit des gemeinsamen Wachsens und Lernens geprägt. Die unglaublich engagierten jungen Menschen stehen nun in den Startlöchern, um erste Erfahrungen in der Bildungsarbeit zu sammeln. Die Idee des Puddinggabelns haben sie in ihrem ersten eigenen Workshop-Konzept aufgegriffen und damit gezeigt: Jugendkulturelle Phänomene eignen sich hervorragend als Ansatzpunkt, um über Politik ins Gespräch zu kommen. So wurde in der Evangelischen Akademie Frankfurt aus „Pudding gabeln“ mehr als ein Social-Media-Trend – nämlich die Grundhaltung, auch die „heißen Eisen“ des Weltgeschehens mit Leichtigkeit und Verständnis für die Bedürfnisse der jungen Generation anzugehen.
Die nächste Gelegenheit dazu bietet die Junge Akademie Frankfurt 2026 – eine Anmeldung ist auf dieser Seite noch bis zum 15. Dezember möglich. 30 Menschen unter 30 Jahren erfinden im Rahmen dieses ideellen Stipendiums innovative Projekte, die die Demokratie erlebbar machen und stärken. Im kommenden Jahr findet die Junge Akademie in Kooperation mit World Design Capital statt.
Kontakt: Annette Lorenz
