Evangelische Trägergruppe für gesellschaftspolitische Jugendbildung
24. August 2018 | EJSA Bayern e. V. / Evangelische Jugend Nürnberg

Bähm! Jugendliche aktiv gegen Vorurteile

Filmdreh in Hamburg


„Wie nennt ihr euch denn?“, fragte die Fotografin von der Jugendpresse Deutschland, die die Jugendgruppe einen Tag lang in Hamburg begleitete. „Aktiv gegen Vorurteile“, lautete sofort die Antwort. Bähm!

Seit über einem Jahr sind zwölf Jugendliche aus Nürnberg nun gemeinsam auf dem Weg, um sich gegenseitig, das Land, in dem sie leben, und das Feld der politischen Bildung besser kennenzulernen. Begonnen hat alles in einer Workshop-Woche in den Osterferien. Damals begegneten sie sich zum ersten Mal: Mohammed* aus Afghanistan, Esra aus Äthiopien, Emre aus der Türkei, Lena aus Deutschland und die anderen. Vier Tage lang waren sie kreativ und sprayten bunte Graffitis, schrieben ein Theaterstück und drehten zwei Kurzfilme. Alles gespickt mit Botschaften gegen Vorurteile. Diese wurden dann ein Jahr lang an verschiedenen Orten in Nürnberg präsentiert. Über 300 Menschen erreichten sie mit ihren Kunstwerken und ihrem Motto. Und sie hatten auch nach einem Jahr noch lange nicht genug voneinander. Sie mochten sich, hatten Spaß miteinander und wuchsen teilweise über sich selbst hinaus – sei es auf der Bühne oder vor der Kamera bei ihren ersten Interviews.

Jugendlich aktiv gegen Vorurteile in Hamburg

Da der Graffiti-Künstler, der sie in den Osterferien unterstützt hatte, in Hamburg wohnte und inzwischen auch der Kollege, der die Gruppe mitgegründet hatte, lag es nahe, dass das nächste Ziel die Hafenstadt sein würde. Dort sollten die Jugendlichen nicht nur vor der Kamera stehen, sondern auch dahinter. Sie sollten selbst Produzent*innen sein und ihre Geschichten erzählen. Zum Beispiel Amaniel aus Eritrea. Er macht oft die Erfahrung, dass Menschen in der U-Bahn ihre Tasche wegnehmen, wenn er sich dazusetzt. Meist hat er das Gefühl, dass das nicht aus Rücksicht, sondern aus Angst passiert. Diese Geschichte wollte er live in Hamburgs Metro nachspielen und die Gruppe teilhaben lassen. Oder Malik aus dem Iran. Er hat oft schon Menschen getroffen, die sagen, sie hätten ja nichts gegen Geflüchtete, aber… Auf Hamburgs Straßen wollte er das durch Interviews mit Passant*innen mit der Kamera festhalten. Ein professionelles Kamerateam ermöglichte den Jugendlichen dieses Lernfeld. Sie erfuhren etwas über den Goldenen Schnitt, das Drehbuchschreiben, Interview-Situationen usw. Und auch über die Jugendgruppe selbst wurde in Hamburg ein Film gedreht. Dort erzählen sie über sich, die Gruppe und was man gegen Vorurteile tun kann. Der Film soll Ende 2018 fertig gestellt sein und damit noch mehr Menschen in der Politischen Bildung und darüber hinaus erreichen.

Interviews

Passanteninterviews in Hamburgs Straßen

Jugendliche aktiv gegen Vorurteile – weiter unterwegs!

Auch viele der anderen Teilnehmenden haben ihre Diskriminierungserfahrungen aus dem Alltag mit der Gruppe in Hamburg zum ersten Mal geteilt. Sie bildete einen wertvollen Raum, um ernstgenommen und verstanden zu werden. Für die Jugendlichen ohne ausländische Wurzeln ein wichtiges Lern- und Reflexionsfeld (wobei auch sie natürlich, z. B. als Frauen, Diskriminierungserfahrungen machen). In Hamburg entstand dann die Idee, sich einmal mit der Diskriminierungsbeauftragten der Stadt Nürnberg zu treffen. Hier sollen die Jugendlichen erfahren, welche Möglichkeiten sie haben, sich gesellschaftlich und politisch zu engagieren und sich von ihrer Opferrolle zu emanzipieren.

Neben dem Filmen (und auch ein Graffiti gegen Vorurteile wurde im öffentlichen Raum gestaltet) hatten die Jugendlichen in Hamburg Zeit, um gemeinsam zu musizieren, Tischtennis und Karten zu spielen, zu lachen und auch mal zu streiten. All das gehört dazu, wenn sich Menschen begegnen und sich wirklich aufeinander einlassen. Die Jugendlichen sind weiterhin gemeinsam unterwegs, erobern den öffentlichen und medialen Raum für sich, laden andere Menschen ein und sind aktiv gegen Vorurteile. Bähm!

Das Projekt findet statt im Rahmen von „Empowered by Democracy“.

Kontakt: Dorothee Petersen