Evangelische Trägergruppe für gesellschaftspolitische Jugendbildung
21. August 2018 | Evangelische Akademie Frankfurt

Ich verstehe die Welt nicht mehr!

Politikvermittlung in der pädagogischen Praxis


Wie erklärt man Kindern und Jugendlichen politische Ereignisse? Derzeit gibt es viele Versuche dazu, wie man Kompliziertes verständlich machen kann: in Text, Bild oder Video. Wir blickten hinter die Kulissen aktueller Strategien zur Politikvermittlung und lernten vieles dazu!

Die Welt wird zunehmend komplexer. Alles ist vernetzt und hängt irgendwie zusammen. Viele schauen keine Nachrichten mehr, weil diese zu schwierig, zu bedrückend oder zu weit weg sind. Zum Glück gibt es Profis, die uns zeigen können, wie wir es trotzdem schaffen, Kinder und Jugendliche für politische Themen zu interessieren und auch Kompliziertes verständlich zu machen. Bei dieser Multiplikatorenveranstaltung gingen wir auf Entdeckungs- und Erprobungsreise mit:

  • Rayk Anders für YouTube als Politikvermittlungsmedium,
  • Jennifer Sieglar für den Bereich Kindernachrichten TV und
  • Sylvain Mazas für Illustration und visuelle Vermittlung (Autor des Bestsellercomics: „Dieses Buch sollte mir gestatten, den Nah-Ost-Konflikt zu lösen, mein Diplom zu kriegen und eine Frau zu finden“).

Die Logik von Social Media für die politische Bildung nutzen

Für Rayk Anders liegt der Vorteil von Social Media-Kanälen darin, dass sie Raum für Nischenthemen bieten, die von traditionellen Medienanbietern selten aufgegriffen werden. Gleichzeitig bedeutet die demokratische Natur von z. B. YouTube (sprich, dass jede und jeder senden kann), dass auch tendenziöse und ausgesprochen falsche Berichte produziert und verbreitet werden können. Durch YouTubes Algorithmen werden die extremsten Inhalte belohnt; Sachlichkeit und Ausgewogenheit werden nicht gefördert. Dass Kritiker generell kompetenter erscheinen und mehr Aufmerksamkeit bekommen als Leute, die Sachen gut finden und loben, kann man aber insoweit nutzen, dass man bewusst etwas kritisiert, um dadurch zu dem Thema zu kommen, wofür man begeistern will. Wer einen eigenen YouTube-Kanal aufziehen will muss aber auch einiges bedenken: Regelmäßigkeit, gut ausgewählte Inhalte, Themenfokussierung und eigene Wahrhaftigkeit sind wichtige Erfolgsfaktoren. Darüber hinaus gilt es natürlich, Negativbotschaften („Die Welt geht unter!“, „Alles ist schlecht!“) zu vermeiden. Sie zerstören nur die eigene Handlungsperspektive in der Demokratie. Wenn man Leute erreichen will, muss man Zukunftsperspektiven eröffnen. Am besten streichen Sie gleich das Wort „Politik“ aus dem, was Sie machen. Klar wollen wir über politische Themen reden! Erst muss man aber einen Zugang finden, um die Leute einzufangen!

Wie lautet die Kinderfrage?

Für Jennifer Sieglar sind die Grundregeln der Nachrichtenvermittlung an Kinder, kein Vorverständnis vorauszusetzten, einfache Sprache, Beispiele und Bilder zu benutzen, Mut zur Lücke bei der Themen- und Faktenauswahl zu haben und sich immer nur auf eine Fragestellung zu fokussieren – und zwar die Frage, die ein Kind formulieren würde! Im Workshop entwickelten die Teilnehmenden mit diesen Hinweisen im Kopf ihre eigenen dramaturgischen Konzepte dafür, wie man Antisemitismus oder den öffentlichen Dienst Kindern erklären kann. Dabei wurden folgende Empfehlungen erarbeitet: vom Alltag eines Kindes ausgehen und gerne Emotionalität erzeugen, um Interesse und Neugier zu wecken. Und noch ein Tipp: mit etwas Leichtem abschließen!

Auf das Essenzielle fokussieren  

Laut Sylvain Mazas sind Zeichnungen deswegen genial, weil sie viele Informationen visuell miteinander verbinden können, sodass sichtbar wird, wie komplexe Geschehnisse miteinander zusammenhängen. Beim Zeichnen wird man gezwungen, auf das Essenzielle zu fokussieren; zu stilisieren. Es gelingt einem nur, Komplexes zu vermitteln, wenn man selbst verstanden hat, worum es geht oder wie etwas funktioniert. Wie er selbst arbeitet? Recherchieren, loszeichnen, Ergebnisse verwerfen, noch mal anfangen, neu zuordnen – und wenn alles gut geht: publizieren! Raten Sie mal, ob es den Teilnehmenden im Workshop einfach fiel, das iranische Atomprogramm graphisch zu erklären…

Weitere Informationen finden Sie auf der Internetseite der Evangelischen Akademie Frankfurt.

Kontakt: Stina Kjellgren