Evangelische Trägergruppe für gesellschaftspolitische Jugendbildung
8. Oktober 2019 | Evangelische Akademie der Nordkirche

Ich bin wie ich bin! Oder doch ganz anders?

Auswirkung von Geschlechterrollen auf das gesellschaftliche Miteinander


Sobald wir auf die Welt kommen, erhalten wir einen Namen, der uns als Mädchen oder Junge kennzeichnet und zumeist ein Leben lang begleitet. In unserer Gesellschaft unterscheiden wir zumeist zwischen „männlich“ und „weiblich“. Aber reicht das? Schränken uns solche Kategorien in unserer Entwicklung ein oder grenzen wir damit andere Menschen gar aus?

Gender (ent)Rollen

Beim „Entrollen“ der Genderbilder in unseren Köpfen fragte unsere Referentin nach unseren eigenen Namensgeschichten und danach, welche Bilder, Gedanken oder Assoziationen uns einfallen, wenn wir uns einen kleinen Jungen, ein kleines Mädchen, eine erwachsene Frau oder einen Mann vorstellen. Da kamen sehr klassische, aber auch überraschende Bilder zum Vorschein, die unser Zusammenleben ausmachen.

Die Kinder stellten fest, dass die „richtig blöde dreckige“ Arbeit im Haushalt oft von den Frauen gemacht wird. Bei einigen Aufgaben in der Familie, wie der Gartenarbeit, bemerkten sie, dass alle daran beteiligt werden, sie zu erledigen.

„Das macht ein Mädchen nicht.“

Wir erzählten uns unsere Geschichten, wie sich unsere Bilder von Frauen und Männern entwickelten: Es gab Mädchen, die gern Fußball spielten oder auf Bäume kletterten und deren Väter es später untersagten. Sätze wie „Das macht ein Mädchen nicht.“, „Spiel mit anderen Mädchen und halte dich von den Jungen fern.“ oder „Ein Mädchen räumt ihr Zimmer schön auf.“ begleiteten einige Frauen. Das erste eigene Fahrrad war zum Beispiel ein besonderer Moment im Leben eines kleinen Jungen wie auch das gemeinsame Fußballspiel mit dem Vater.

Intensive Reflexionen

Wir gingen einen Schritt weiter und überlegten, was wir an unsere eigenen Kinder weitergeben und inwiefern wie dies von unseren Vorstellungen vom Frau- oder Mann-Sein geprägt wird. Das waren intensive Reflexionen. Vom Ermutigen war die Rede, Neues und Unbekanntes auszuprobieren, frei in der Entwicklung der Persönlichkeit zu sein.

Es wurde sehr lebendig: Mädchen und Jungen, Frauen und Männer kletterten mutig bis zu neun Meter hoch auf einen Baum. Zudem probierten wir uns alle im Tanztheater aus: Wir tanzten beispielsweise wild oder still, zu zweit oder allein. Kategorien wie männlich, weiblich oder divers rückten in den Hintergrund.

Bei einer anschließenden Werteauktion kamen Beobachtungen hinzu, die unsere Bilder von Geschlechtern (nicht) bestätigten: Ein junges deutsches Mädchen ersteigert z. B. Werte wie „Politische Macht“ und „Intelligenz“, ein junger Familienvater aus Honduras erwirbt die „Finanzielle Sicherheit“ und eine Frau mittleren Alters aus Russland kauft „Die persönliche Freiheit“ und „Das perfekte Familienleben“. Was hat das mit unserem realen Leben zu tun und was sagt das über uns aus? – Diese Diskussionen waren sehr spannend.

Eine Veranstaltung der Evangelischen Akademie der Nordkirche und dem Jugendmigrationsdienst Stralsund im Rahmen des Projekts “Empowered by Democracy”.

Kontakt: Claudia Carla