14. September 2026 | Evangelische Trägergruppe für gesellschaftspolitische Jugendbildung
Eilmeldung: Medienkompetenz könnte Demokratie stärken
Das Medienpädagogik Praxis Camp 2026 in Erfurt
Anfang September trafen sich rund 100 Menschen beim „Medienpädagogik Praxis Camp“ in Erfurt, um neue Ideen für die medienpädagogische Praxis zu entwickeln, Erfahrungen zu teilen und voneinander zu lernen. Die Universität Erfurt war erstmals Gastgeberin des beliebten Barcamp-Formats, das bereits zum elften Mal stattfand und von der Evangelischen Trägergruppe für gesellschaftspolitische Jugendbildung (et) in Kooperation mit dem Medienpädagogik Praxis Blog veranstaltet wird.

© Medienpädagogik Praxis Camp
Schon der Einstieg war interaktiv: Im steilen Hörsaal der Universität verwandelte sich das Plenum kurzerhand in einen Quizraum. Die Teilnehmenden lernten dabei spielerisch die Grundregeln des Barcamps kennen. In der Sessionplanung brachten sie anschließend ihre Themen, Fragen und Anliegen ein. So entstand ein komplett selbst gestaltetes Programm mit mehr als 50 vielfältigen Sessions. Die Themen reichten von digitaler Souveränität und Künstlicher Intelligenz über konkrete Methoden für Bildungsangebote bis hin zum Umgang mit problematischen Onlineinhalten.
Von Robotik bis KI: Medienpädagogik bietet viele Methoden
Bei den vorgestellten Methoden zeigte sich die Bandbreite des Feldes. Die Teilnehmenden beschäftigten sich mit Brett- und digitalen Spielen, Robotern und Elektrotechnik, Programmieren, Planspielen, KI-Agenten und weiteren Tools. Immer wieder ging es dabei um die Frage, welches Mittel zu welcher Zielgruppe und welchem Setting passt. Denn ein offenes Angebot in den Räumen einer Bibliothek bietet andere Möglichkeiten und stellt andere Anforderungen als etwa ein Workshop mit einer festen Gruppe an einer Schule. In der Session „Psycho oder was?! & Inklusion im neurodivergenten Spektrum“ wurde beispielsweise diskutiert, wie Jugendliche mit Inklusionsbedarf gut eingebunden und ihre Begleiter*innen angemessen berücksichtigt werden können.
Im Bereich KI fiel auf, dass die Sessions konkreter und kleinteiliger geworden sind. Im vergangenen Jahr ging es meist noch allgemeiner um Funktionen, Möglichkeiten und Herausforderungen von KI im Bereich der Medienpädagogik. Nun stand viel stärker im Fokus, wie sich KI-Tools in konkreten Bildungsformaten einsetzen lassen, natürlich unter Beachtung grundlegender Fragen wie: Was ist mit Blick auf Datenschutz und Rechtssicherheit zu beachten? Was ist altersangemessen und wie lässt sich die Methode sinnvoll in ein Bildungsangebot einbinden?
Immer wieder wurde deutlich, wie viele politische Fragen in der Medienpädagogik auftreten. In der Session „Männer*-Medien-Sozialisation“ ging es um klassische und neue Rollenbilder, um Helden und abgelehnte Medienfiguren. Bei „Digitale Kinder- und Jugendbeteiligung“ wurden Angebote zur Qualifizierung und Förderung von Beteiligung vorgestellt und Erfahrungen ausgetauscht. Die Session „Sollte man die AfD in Workshops explizit benennen?“ nahm die Frage in den Blick, ob in der pädagogischen Arbeit fiktive oder reale Beispiele sinnvoller sind. Und bei „Psyche und KI“ ging es um die Rolle, die KI-Bots für ihre Nutzer*innen einnehmen können, um ihre Vermenschlichung und die damit verbundenen Gefahren. Das Medienpädagogik Praxis Camp zeigt immer wieder, wie wichtig Angebote sind, die Medienpädagogik und politische Bildung miteinander verschränken und bestärken die et in ihrer Schwerpunktsetzung im Bereich politische Medienbildung. In diesem Themenfeld entstehen Angebote, die junge Menschen dabei unterstützen, sich kritisch und selbstbestimmt in einer zunehmend digital geprägten Gesellschaft zu bewegen, Medien und ihre Inhalte einzuordnen, zu hinterfragen und für die eigene gesellschaftliche Teilhabe nutzen zu können.

© Medienpädagogik Praxis Camp
Austausch, Vernetzung und gemeinsame Praxis
Neben den spannenden Inhalten der vielen Sessions war das Barcamp ein großes Vernetzungstreffen. Während der Veranstaltungen, in den Pausen und beim gemeinsamen Abend gab es viele Gelegenheiten, Erfahrungen zu teilen, Fragen zu stellen und über Unsicherheiten zu sprechen. Diese Offenheit und die Bereitschaft gemeinsam nach Lösungen zu suchen und sich zu organisieren, trägt wesentlich zum großen Mehrwert des Medienpädagogik Praxis Camps für alle Teilnehmenden bei. Dazu gehört auch der Austausch über Arbeitsbedingungen und unterschiedliche Organisationsformen in Verein, Kollektive und Netzwerken sowie die Diskussion von Qualitätsstandards für die Arbeit von Medienpädagog*innen. Ein weiteres mal wurde deutlich, wie vielfältig medienpädagogische Praxis ist und wie mannigfaltig die Fragen sind, die Medienpädagogik fortlaufend aufwirft. Eine Fortsetzung des beliebten Formats im kommenden Jahr wird angestrebt.
Kontakt: Jakob Rosenow
