27. August 2025 | Islamische Akademie NRW e.V.
Antisemitismus- eine muslimische Perspektive
Entdecke. Erlebe. Verstehe. – Eine besondere Bildungsreise
Die Bildungsreise „Antisemitismus – eine muslimische Perspektive“ richtete sich an junge muslimische Erwachsene, die sich differenziert mit Antisemitismus auseinandersetzen wollten. Sie bot die Möglichkeit, eigene Haltungen zu reflektieren, antisemitische Narrative zu erkennen und verantwortungsvoll damit umzugehen – ohne pauschalisierend oder defizitorientiert angesprochen zu werden. Die Bildungsreise war ein Kooperationsprojekt der Islamischen Akademie NRW mit dem Heinz-Kühn-Bildungswerk und wurde im Rahmen des bundesweiten Projektes „Neue Bündnisse, Neue Wege“ durchgeführt.
Vorbereitungsworkshop
Im Vorbereitungsworkshop wurde der Grundstein für die Bildungsreise gelegt. Nach einer Einführung und Vorstellungsrunde setzten sich die Teilnehmenden zunächst mit eigenen Diskriminierungserfahrungen auseinander und ordneten diese in gesellschaftliche Machtverhältnisse ein. Daran anschließend stand die historische Entwicklung des Antisemitismus im Mittelpunkt: Anhand eines Zeitstrahls wurden unterschiedliche Erscheinungsformen nachgezeichnet und in Beziehung zur wechselhaften jüdisch-muslimischen Beziehungsgeschichte gesetzt.
Ein weiterer Schwerpunkt war die Auseinandersetzung mit koranischen Narrativen über das Judentum, ergänzt durch die Reflexion, wie jüdisch-muslimische Beziehungen in den sozialen Medien dargestellt werden. Der Workshop bot so einen geschützten Raum, in dem Erfahrungen, Fragen und Widersprüche offen artikuliert werden konnten.
Zum Abschluss hielten die Teilnehmenden zentrale Lernerfahrungen fest und thematisierten eigene Unsicherheiten. Diese Ergebnisse dienten zugleich als Ausblick auf die folgenden Teile der Bildungsreise.
Besuch der jüdischen Gemeinde Dortmund
Im zweiten Teil der Bildungsreise besuchten die Teilnehmenden die jüdische Gemeinde Dortmund. Dort nahmen sie an einem dialogorientierten Workshop mit einem jüdischen Religionslehrer teil. Im Mittelpunkt standen Fragen zum jüdischen Leben in Deutschland, zum Religionsunterricht und zur religiösen Praxis. Der Austausch war bewusst auf Augenhöhe angelegt: Die Teilnehmenden konnten eigene Fragen einbringen und ihre Sichtweisen diskutieren. Dabei traten sowohl Unterschiede als auch Gemeinsamkeiten zwischen Judentum und Islam hervor.
Berlinexkursion
Die Bildungsreise wurde mit einer fünftägigen Exkursion nach Berlin abgeschlossen. Dort erlebten die Teilnehmenden ein intensives Programm aus historischen Lernorten, Workshops und Reflexionsrunden.

Die Berlinexkursion begann mit einem Besuch des Bundestags. Nach einer Einführung in die Arbeit des Bundestags konnten die Teilnehmenden von der Kuppel aus den Blick über Berlin schweifen lassen. Erste Gespräche und ein gemeinsames Abendessen stärkten den Zusammenhalt und die Vorfreude auf die kommenden Tage.
Am zweiten Tag folgte ein Besuch im Anne-Frank-Zentrum mit einer Führung und dem Workshop „Case not closed“, der die bislang wenig bekannte Geschichte jüdischer Migrant:innen mit türkischer Staatsangehörigkeit beleuchtete. Im Anschluss war die Gruppe bei der Deutschen Islam Akademie zu Gast. Dort erhielten die Teilnehmenden Einblicke in das Projekt „The Next Generation – Junge Stimmen für eine starke Gesellschaft“.
Am dritten Tag stand der Besuch der Gedenkstätte Sachsenhausen auf dem Programm. Viele Teilnehmende beschrieben die Eindrücke als prägend und herausfordernd. Am Nachmittag boten ein gemeinsames usbekisches Essen und eine anschließende Stadterkundung die Möglichkeit, das Erlebte miteinander zu besprechen und den Tag in einem entspannten Rahmen fortzuführen.
Der vierte Tag begann mit einem Besuch des Jüdischen Museums Berlin. Danach führte ein Stadtspaziergang der Stiftung Denkmal die Teilnehmenden zu Erinnerungsorten wie dem Denkmal für die im Nationalsozialismus ermordeten Sinti und Roma Europas. Beim Abendessen war Batoul Abu-Yahya von der CLAIM-Allianz zu Gast und gab Impulse zu antimuslimischem Rassismus, gesellschaftlicher Teilhabe und Empowerment.
Der fünfte und letzte Tag war vor allem der Reflexion und dem Ausklang gewidmet. In gemeinsamen Gesprächsrunden hielten die Teilnehmenden ihre Eindrücke fest und diskutierten, welche Bedeutung die Erfahrungen für ihr eigenes Engagement und ihre Verantwortung in der Gesellschaft haben.
Ansprechperson: Sündüz Ilgaz
