Evangelische Trägergruppe für gesellschaftspolitische Jugendbildung
20. Dezember 2018 | Alles Glaubenssache?

Am Anfang war ein Bild

Visuelle Aufhänger für die Diskussion mit Jugendlichen


Reproduzieren Bilder Klischees oder können sie eine anregende Grundlage für Diskussionen bilden? Wie kommen wir mit Jugendlichen ins Gespräch zu Religion und Politik? Und wie kann es gelingen die Themen und Erfahrungen, die Jugendliche mitbringen, aufzugreifen und auf dieser Basis lebensweltnahe Diskussionen zu entwickeln? Darüber haben wir beim Workshop „Coexist – Mit Jugendlichen über Religion und Politik diskutieren“  mit Multiplikator*innen aus vielen unterschiedlichen Bereichen, von Einrichtungen der Jugendsozialarbeit über die politische Bildung bis hin zur Vertreter*innen des BMFSFJ, diskutiert.

Im Projekt „Alles Glaubenssache?“ entwickeln wir Illustrationen, die Raum für Diskussionen öffnen. Dabei entsteht Potential für viele Perspektiven und Themen, die aber erst durch Erfahrungen und Meinungen, die die Jugendlichen einbringen, zu konkreten Diskussionen und Auseinandersetzungen führen. Beim Workshop haben wir die Entwürfe erstmalig vorgestellt und konnten so am konkreten Beispiel über Chancen aber auch Probleme von Bildern als Diskussionsgrundlage sprechen.

Schließlich durften wir Jaafar Abdul Karim und Jasna Zajček begrüßen, die uns Einblicke in Ihre Erfahrungen gegeben haben. Insbesondere ging es darum, wie Gespräche zu kontroversen Themen rund um Politik, Gesellschaft und Religion gelingen können. Dazu konnten wir an dem reichen Horizont der beiden Referent*innen profitieren. Sie haben in West- und Ostdeutschland sowie in den Ländern der arabischen Welt von Marokko bis zum Irak vielfältige Diskussion zu strittigen Themen geführt und moderiert.

Herausforderung für die politische Bildung

Wenn wir mit Jugendlichen zu Themen rund um Religion und Politik arbeiten wollen, dann möchten wir die Themen nicht vorgeben. Vielmehr sind wir darauf angewiesen, die Erfahrungen aufzugreifen, die die Jugendlichen mitbringen. Menschen interessieren sich für Themen, zu denen sie einen Bezug herstellen können. Für die Arbeit mit Jugendlichen heißt das, dass wir einen Raum für jugendliche Perspektiven öffnen müssen, in dem Ideen, Erinnerungen und Anliegen geäußert werden können. Wir möchten dafür einen Rahmen setzen, in dem Gespräche zu bestimmten Bereichen des Lebens angeregt werden, einen Raum den es gemeinsam mit Jugendlichen mit konkreten Anliegen und Diskursen zu füllen gilt.

Einblick in die Praxis

Mit Einblicken in die Arbeit von Dialog Macht Schule, den Interreligious Peers und Kamil wurden den Teilnehmenden am 22. November bereits vielfältige Ansätze vorgestellt, um diesen Herausforderungen zu begegnen. Deutlich wurde dabei erneut, dass lebensweltnahe Ansätze, die Jugendlichen eine Möglichkeit geben, Bezüge zu ihren Erfahrungen herzustellen, wichtig sind. Ein Mittel dazu findet sich im Erzählen von persönlichen Geschichten. Die Arbeit mit Jugendlichen muss immer an lokale Gegebenheiten und Gruppen angepasst werden. Dafür sind einerseits flexible Ansätze und Konzepte, andererseits längerfristige Kontakte und Beziehungen notwendig. Schließlich müssen, wenn wir demokratische Werte, Ambiguitätstoleranz und Konfliktfähigkeit stärken wollen, diese Werte für die Jugendlichen auch in unseren Angeboten erfahrbar sein.

Bilder als Gesprächsanreger

Im Projekt Alles Glaubenssache? entwickeln wir Illustrationen um einen Ausgangspunkt für die Gespräche mit Jugendlichen zu haben. Zugleich bietet die Entwicklung reichhaltige Basis, um sich fachlich zu den unterschiedlichen Herausforderungen auszutauschen. Im Laufe der Entwicklung möchten wir die Vor- und Nachteile von Bildern als Material für die Arbeit mit Jugendlichen herausarbeiten.

Um die Illustrationen auf eine möglichst breite und reflektierte Grundlage zu stellen, möchten wir sie laufend erproben und zur Diskussion stellen. Wir haben dazu die aktuellen Entwürfe am 22. November vorgestellt und im Rahmen eines World-Cafés diskutiert. Unser herzlicher Dank gilt den Teilnehmer*innen für die engagierte Auseinandersetzung mit und über die Illustrationen sowie den Kolleginnen der Kreuzberger Initiative gegen Antisemitismus (KigA), die mit uns die zusammen die Tische des World-Cafés betreut haben.

Warum darf ich nicht so sein wie ich sein will?

Am Abend haben wir uns gemeinsam mit Jaafar Abdul Karim und Jasna Zejček über Herausforderungen und Haltungen für erfolgreiche Gespräche ausgetauscht. Spannend war, über den Antrieb für sowohl journalistische als auch pädagogische Arbeit zu sprechen. Der Anspruch, Dinge zu hinterfragen und Menschen zu empowern, wurde von Vertreter*innen beider Professionen formuliert, wenn auch in unterschiedlicher Weise und mit anderen Schwerpunkten. Beiden ging es darum Diversität und Komplexität sichtbar und erfahrbar zu machen.

Der Journalistische Ansatz, wie ihn Jasna und Jaafar vertreten haben, möchte vielfältige Perspektiven für ein breites Publikum sichtbar machen. Dabei gilt es ein breites Feld an Positionen zur Sprache kommen zu lassen und im Zweifelsfall auch auszuhalten. Ein Pädagogischer Ansatz möchte dagegen einen geschützten Raum schaffen. Auch hier können problematische Positionen vorgebracht und bearbeitet werden. Dabei muss immer darauf geachtet werden, dass keine Person rassistischen oder anderen menschenverachtenden Einstellungen schutzlos ausgesetzt ist.

Ausschnitt aus Graphic Recording von Christoph Kellner - Studio Animanova - 22. November 2018

Ausschnitt aus Graphic Recording von Christoph Kellner – Studio Animanova – 22. November 2018

 

Einladung zum Austausch

Wir danken den Teilnehmer*innen des Workshops sehr herzlich, dass sie uns geholfen haben, zentrale Fragen und Herausforderungen herauszuarbeiten. Zum Teil sind bereits Ideen entstanden, wie sich bestimmte Probleme umgehen und verschiedene Klischees aufbrechen lassen. Auch methodisch gab es Anregungen, die wir gern im kommenden Jahr erproben möchten.

Das würden wir gerne in verschiedenen Settings mit Kindern und Jugendlichen ausprobieren und freuen uns, wenn Interesse besteht, die Bilder mit uns gemeinsam in unterschiedlichen Settings zu anzuwenden. Wir können uns vorstellen gemeinsame Projekte, Workshops und Gruppenangebote anzubieten oder die Bilder für Ihre Angebote zur Verfügung zu stellen. Wenn das Ihr Interesse weckt, freuen wir uns, wenn Sie Kontakt mit uns aufnehmen.

Kontakt: Jakob Rosenow

Projektseite: Alles Glaubenssache?